KARL FISCHERein „Bediensteter auf Schloss Lenzburg“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 68], der aus Menziken (Kanton Aargau) stammte.
MENZIKEN
Frank Wedekind (1864-1918) zählt heute wie kein anderer zu den bahnbrechenden Autoren der literarischen Moderne. Seine Korrespondenz ist von herausragender kulturgeschichtlicher Bedeutung. Die Textsorte Brief in allen ihren Ausformungen – Briefkarte, Postkarte, Telegramm, Visitenkarte etc. – ist in seiner Zeit die zentrale privat-öffentliche Kommunikationsform, die im kulturellen Gedächtnis bis heute präsent ist. Das spezifische Potenzial interaktiver und synoptischer Darstellung von ‚Text' und ‚Schriftbild' macht die Online-Edition von Briefen attraktiv.
Mit der für die Wedekind-Briefedition neu konzipierten Systemarchitektur wurde durch zahlreiche Recherchetools und transparente Verweisungen ein komplexes, aber auch einfach zu bedienendes Informationssystem geschaffen. Neben der üblichen Volltextsuche wird die gezielte Suche nach Personen, Orten, Datumsangaben etc. angeboten. Ebenso ist eine gezielte Auswahl von Briefwechseln zwischen bestimmten Personen möglich, um Konversationsketten analysieren zu können.
KARL FISCHERein „Bediensteter auf Schloss Lenzburg“ [Vinçon 2021, Bd. 2, S. 68], der aus Menziken (Kanton Aargau) stammte.
MENZIKEN
Geehrter Herr JureitJohann Christoph Jureit, seit Jahren Wedekinds Schneider, war Inhaber des Schneiderateliers Johann C. Jureit in Frankfurt am Main (Roßmarkt 12), Schneider für Damen und Herren sowie Hoflieferant der Kaiserin [vgl. Adreßbuch für Frankfurt am Main 1907, Teil I, S. 174]. Er war seit 1877 als Schneider in Frankfurt am Main ansässig, als Schneider tätig aber schon seit 1857, wie eine Zeitungsnotiz verrät: „Frankfurt a. M., 1. Juli. (Privat-Telegramm.) Der Schneidermeister Jureit stiftete anläßlich seines 50jährigen Handwerkerjubiläums 232.000 Mark, davon allein 100.000 Mark für die Witwen- und Waisenkasse seiner Arbeiter.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 36, Nr. 328, 1.7.1907, Abend-Ausgabe, S. (4)].
mit gleicher PostHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Sendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Johann Christoph Jureit, 16.3.1907. übersende ich Ihnen eine Nummer der ZukunftNr. 24 vom 16.3.1907 der von Maximilian Harden herausgegebenen Wochenschrift „Die Zukunft“ (siehe unten). in der auf Seite 404Wedekind weist seinen Schneider auf folgende Passage in der Besprechung hin, die seinen Auftritt in Max Reinhardts erfolgreicher Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin (Uraufführung: 22.11.1906) betrifft: „Jetzt erscheint der vermummte Herr in einer neuen raffinirten Verkleidung; einer, die auch die ,oberen Schichten‘ der Gesellschaft kirren soll. Er kommt im eleganten Ueberrock, mit glänzend gebürstetem Cylinder, eine schwarze Maske vor dem Gesicht; […] das monumentale Achselzucken kleidet vortrefflich in einem Gewand, das vom Modeschneider Unter den Linden bezogen ist.“ [Karl Scheffler: Der vermummte Herr. In: Die Zukunft, Jg. 16, Nr. 24, 16.3.1907, S. 403-407, hier S. 404] mein Kostüm ansprochenSchreibversehen statt: angesprochen. ist in dem dem/ich/ hier am Deutschen Theater in meinem Stück FrühlingsFrlgs Erwachen den vermummten Herrn spieleWedekind spielte die Rolle des vermummten Herrn in Max Reinhardts erfolgreicher Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ (siehe oben), die am 16.3.1907 bereits in der 73. Vorstellung zu sehen war [vgl. Tb].. Ich möchte Sie nun bitten beiliegenden Brief mit Ihrer Unterschrift an den Herausgeber der Zukunft Maximilian Harden zu senden. Ich bin mit Harden sehr befreundet und ich bin fest überzeugt, daß er Ihnen sowol wie mir den Gefallen thun wird, den Brief in der nächsten Nummer abzudruckenIn Nr. 25 der „Zukunft“ vom 23.3.1907 ‒ das war das nächste Heft ‒ und auch in den folgenden Heften findet sich kein entsprechender Beitrag.. Nur braucht er natürlich nicht zu wissen, daß ich Ihnen dazu geraten habe. Ich finde daß man solche vortheilhaften Gelegenheiten ausnutzen | muß, da sie sich selten genug bieten. Ich habe den Brief möglichst vornehm aufgesetzt, so daß er uns keinerlei S/s/chaden unmöglich irgendwie thun kann. Sie brauchen ihn nur von Ihrem Sekretär auf abschreiben zu lassen und zu unterzeichnen, natürlich auf Ihrem Geschäftspapier. Nur müßte das umgehend geschehen, da die nächste Nummer in den ersten Tagen der WocheDer Herausgeber Maximilian Harden war Anfang der Woche stets sehr beschäftigt, da er dienstags das jeweilige „Zukunft“-Heft im Einmannbetrieb fertig redigierte [vgl. Martin 1996, S. 55]. „Die Zukunft“ erschien, datiert auf den folgenden Samstag, immer freitags. zusammengestellt wird Wenn Sie irgend ein Bedenken haben, dann theilen Sie mir das vielleicht telegraphisch mit. Ich hoffe aber, Sie werden meiner Ansicht sein, daß sich eine vornehmere Art von Reklame gar nicht denken läßt
Mit besten Gruß
Ihr FrankW.
[Entwurf der Beilage:]
Herrn Maximilian Harden, Hochwohlgeboren
Berlin.
EuerEw. Hochwohlgeboren!
EuerEw. Hochwohlen wollen mir gestatten Sie unter Bezugnahme auf den Artikel Der vermummte Herr in NummerN. x der ZukunftNr. 24 vom 16.3.1907 der „Zukunft“ (siehe oben). EuerEw Hochwohlgeboren mit ergebenster Bitte um Berichtigung die Mittheilung zu machen, daß der Zu Winterpaletotein halblanger, leicht taillierter Herrenwintermantel. Die letzte Szene von „Frühlings Erwachen“, in welcher der vermummte Herr auftaucht, spielt im November., den Herr Wedekind als vermummter Herr trägt, nicht wie es dort irrtümlich heißt, von einem der ersten Schneider Modeschneider unter den LindenZitat aus dem Artikel in der „Zukunft“ vom 16.3.1907 (siehe oben), in dem Karl Scheffler über das Kostüm des vermummten Herrn mutmaßte, dass es „vom Modeschneider Unter den Linden bezogen ist.“ [Karl Scheffler: Der vermummte Herr. In: Die Zukunft, Jg. 16, Nr. 24, 16.3.1907, S. 404] Ein bestimmter Schneider war nicht gemeint. Das Berliner Adressbuch weist mehrere Unter den Linden ansässige Schneiderateliers für Herren aus [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil IV, S. 335-349], die angesichts der noblen Adresse in Frage kommen. bezogen ist stammt, sondern in meinem Atelierdas Schneideratelier Johann C. Jureit am Roßmarkt 12 in Frankfurt am Main (siehe oben). in Frankfurt am Maina. M. angefertigt wurde.
Mit der Bitte, den Ausdruck vorzüglichster Hochschätzung
entgegen nehmen zu wollen
EuerEw. Hochwohlgeboren ergebenster
gez: J. C. Jureit.
Adresse
Herrn Maximilian Harden
Grunewald bei Berlin
Wernerstraße 10Schreibversehen, statt: 16 (Maximilian Harden wohnte Wernerstraße 16)..
Lieber Otto Erich,
heute Abend sprach ich bei IhnenWedekind traf Otto Erich Hartleben in dessen Wohnung in Berlin (Karlstraße 32, 3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 435] nicht an, da dieser den Abend des 18.1.1897 mit Vorstandssitzungen der Freien Literarischen Gesellschaft und der Deutschen Schriftsteller-Genossenschaft verbrachte und erst morgens „halb fünf Uhr“ [Tb Hartleben] nach Hause kam. vor, um Ihnen für den glänzenden herrlichen und amüsanten Protest zu dankenOtto Erich Hartleben veröffentlichte einen Bericht (siehe unten) über einen von der Freien Literarischen Gesellschaft zu Berlin veranstalteten Leseabend Wedekinds am 4.1.1897, in dem er gegen die „sittliche Entrüstung“ [Tb Hartleben] in Publikumsreaktionen protestierte; der Abend war angekündigt: „Autoren-Abend nennt die Freie Literarische Gesellschaft ihre nächste Veranstaltung im Festsaal des Kaiserhofes am Montag, den 4. Januar, Abends 8 Uhr. Dem Titel entsprechend ist dieser Vortragsabend dazu bestimmt, zwei jüngeren Schriftstellern Gelegenheit zu geben, engere Fühlung mit dem Berliner Publikum zu gewinnen. Zunächst wird Ernst Hardt und dann Frank Wedekind je drei kleinere neue Arbeiten vorlesen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 26, Nr. 3, 3.1.1897, S. (3)], den Sie im Magazin erhobenOtto Erich Hartleben, der Vorsitzende der Freien Literarischen Gesellschaft, berichtete in der Zeitschrift „Das Magazin für Litteratur“ (herausgegeben von Otto Neumann-Hofer, seinerzeit das Vereinsorgan der Freien Literarischen Gesellschaft zu Berlin) über den Leseabend vom 4.1.1897 (siehe oben), bei dem Wedekind die drei Erzählungen „Der greise Freier“ [KSA 5/I, S. 219-231], „Der Brand von Egliswyl“ [KSA 5/I, S. 172-181] und „Rabbi Esra“ [KSA 5/I, S. 214-218] vorgetragen hatte: „Die Leiter der freien litterarischen Gesellschaft haben keine Rücksichten auf das vorhandene Publikum zu nehmen. [...] Frank Wedekind. Dieser durch und durch originelle Künstler ließ kein Wort seiner drei Erzählungen unter den Tisch fallen und zwang die zum Teil heftig widerstrebenden Zuhörer fast gegen ihren Willen in seinen Bann. [...] Es war Pflicht der freien litterarischen Gesellschaft, das heißt ihrer Leiter, diesen Dichter, dessen markante Individualität noch so gut wie unbekannt ist, den Mitgliedern vorzustellen. In dem gesamten Schaffen Frank Wedekinds steht das sexuelle Problem im Vordergrunde: es ist ihm das Problem, das Thema schlechthin. [...] in den drei Arbeiten, die er [...] vortrug, war es alleinherrschend. [...] Als im ‚greisen Freier‘ der Ausdruck ‚ein anständiges Mädchen‘ fiel, erhob sich ein noch in den besten Jahren stehendes Ehepaar und verließ mit jenen knarrenden Stiefeln, wie sie die sittliche Entrüstung den Menschen verleiht, den Saal. Am Schluß des ‚greisen Freiers‘ und mehr noch nach der Beendigung des Eglyswyler Brandes verließen ganze Scharen von Damen und solchen, die es werden wollen, das Lokal. Doch – so schmerzlich auch das Gefühl ist, ein zartes Gemüt verletzt zu haben – die freie litterarische Gesellschaft darf auf die männermordende Prüderie keine Rücksicht nehmen, wenn sie ihre ernste Aufgabe erfüllen will.“ [Otto Erich Hartleben: Freie Litterarische Gesellschaft zu Berlin. In: Das Magazin für Litteratur, Jg. 66, Nr. 2, 14.1.1897, Sp. 59-60]. Zugleich hoffte ich Ihr Urtheil über meine Junge Weltbezüglich der geplanten Uraufführung von Wedekinds Komödie „Die junge Welt“ durch die Dramatische Gesellschaft im Berliner Residenztheater (siehe unten), die nicht zustande kam [vgl. KSA 2, S. 631]. zu hören. Wenn sich das Stück Ihrer Billigung erfreut, wenn es Ihnen nicht zu unmodern erscheint, so | möchte es in Anbetracht der kurzen Zeit und der Menge Rollen gut sein, die Rollen bald ausschreiben zu lassen. Wenn Sie es wünschen nehme ich mich selber der Beschleunigung seiner/s/ Rundganges bei den Mitgliedern des Vorstandes der Dramatische GesellschaftD. G. an. Zu meiner außerordentlichen Freude habe ich ersehen, daß Ihre Verhandlungen mit LautenburgWedekind traf Otto Erich Hartleben am 13.1.1897 bei Sigmund Lautenburg, Direktor des Residenztheaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 265], wo „Die junge Welt“ durch die Dramatische Gesellschaft uraufgeführt werden sollte: „bei Lautenburg wegen Contract mit der Dramatischen Gesellschaft. Dort Wedekind getroffen.“ [Tb Hartleben] Der Vertrag wurde am 15.1.1897 geschlossen, wie Otto Erich Hartleben festhielt: „Abschluß des Contracts mit Lautenburg“ [Tb Hartleben]; die Uraufführung war für den 15.2.1897 festgesetzt worden (siehe unten). zu einem definitiven Resultatder Vertragsabschluss der Dramatischen Gesellschaft mit dem Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) vom 15.1.1897 (siehe oben) über die auf den 15.2.1897 festgesetzte Uraufführung von „Die junge Welt“ [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 17.1.1897], die dann allerdings nicht stattfand, wobei die genauen Gründe dafür unklar sind. Otto Erich Hartleben notierte am 6.2.1897: „Krach mit Wedekind“ [Tb Hartleben]. Kurz darauf meldete die Presse: „Die Dramatische Gesellschaft wird [...] ihre dritte Aufführung bereits am nächsten Sonntag, den 14. d. M., Mittags 12 Uhr, im Neuen Theater veranstalten. Zur Darstellung gelangt ‚Agnete‘, ein Drama in drei Akten von der dänischen Dichterin Amalie Skram, das Otto Erich Hartleben mit Therese Krüger für die deutsche Bühne bearbeitet hat.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 26, Nr. 70, 8.2.1897, Abend-Ausgabe, S. (3)] Wedekind reagierte auf die von der Dramatischen Gesellschaft anstelle seines Stücks am 14.2.1897 im Neuen Theater (Direktion: Sigmund Lautenburg) veranstaltete Aufführung mit dem spöttischen Gedicht „Die Dramatische Gesellschaft“ [vgl. KSA 1/II, S. 1307-1310], in dem er Otto Erich Hartleben direkt ansprach: „Welche Stoffe, Otto Erich, / Kriegt man doch durch dich zu sehn!“ [KSA 1/I, S. 381] geführt haben. Wenn | Sie mir nichts weiter mittheilen, werde ich Freitagden 22.1.1897. auf jeden Fall in die Versenkungnicht ermittelt; vermutlich ein Verein oder eine Stammtischrunde, vielleicht auch ein Lokal. kommen. Oder würden Sie es nicht vielleicht vorziehen, wieder einmal zu den Zwanglosenzu dem jeweils freitags (siehe oben) stattfindenden Treffen der Zwanglosen Gesellschaft, eine „auf Statuten und ähnliche Vereinsverbindlichkeiten“ verzichtende „gesellige Wochenkneipgesellschaft, die sich wöchentlich zu einem ‚Zwanglosen Freitag‘ in unterschiedlichen Lokalen versammelte.“ [Wülfing/Bruns/Parr 1998, S. 500] Otto Erich Hartleben war Mitglied [vgl. Wülfing/Bruns/Parr 1998, S. 502] zu gehen.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.
Jägerstr. 63.A. III.Wedekind wohnte in Untermiete bei dem Hotel-Kommissionär [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil III, S. 241] Sebastian Stromer in Berlin (Jägerstraße 63a, 3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 1293].
18.1.97.
Frank Wedekind
Felix und Galatheadie 1913 erschienene 2. Auflage der bukolischen Dichtung „Felix und Galathea“ [KSA 1/I, S. 598-606] im Verlag A. R. Meyer in Berlin-Wilmersdorf in der Reihe „Lyrische Flugblätter“ (Nr. 20), die wie die zwei Jahre zuvor veröffentlichte 1. Auflage [vgl. Wedekind an Alfred Richard Meyer, 16.9.1911] 15 nicht paginierte Seiten umfasst [vgl. KSA 1/I, S. 1553].
An
Peter ScherPseudonym des Schriftstellers Fritz Schweynert, der unter den Adressen der Münchner
Zeitschriften „Simplicissimus“ und „Jugend“ zu erreichen war [vgl. Kürschners Deutscher
Literatur-Kalender auf das Jahr 1913, Teil II, Sp. 1487, 1607].
mit schönstem DankHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Sendung (oder eine Widmung);
erschlossenes Korrespondenzstück: Peter Scher an Wedekind, 7.3.1913. Peter Scher hat
Wedekind seine Gedichtsammlung „Holzbock im Sommer und andere aktuelle Lyrik“ (1913)
geschickt, die wie „Felix und Galathea“ (siehe oben) im Verlag A. R. Meyer in Berlin-Wilmersdorf
in der Reihe „Lyrische Flugblätter“ (Nr. 29) herausgekommen ist und kürzlich als erschienen
gemeldet war [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 80, Nr. 54, 7.3.1913,
S. 2528]; sie umfasst 15 nicht paginierte Textseiten. für die herrlichen Verse
Holzbock im Sommer
und besonders für das prächtige Mädchen AnnyPeter Schers Gedicht „Dies Mädchen Anny...“ war in der Gedichtsammlung „Holzbock im
Sommer und andere aktuelle Lyrik“ (siehe oben) nachgedruckt (auf der nicht paginierten
Seite 9); es ist zuerst in Franz Pfemferts Zeitschrift „Die Aktion“ erschienen [vgl.
Die Aktion, Jg. 1, Nr. 34, 9.10.1911, Sp. 1071f.].
München im März 1913
Frank Wedekind.
A. R. Meyer, Verlag, Berlin-Wilmersdorf
Dieses zwanzigste Flugblatt erscheint in einer Auflage von 500 Exemplaren, davon 10 Abzüge auf Kaiserlich Japan, die Oktober 1911 von der Druckerei für Bibliophilen, Berlin O34, gedruckt wurden. Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.
Sehr geehrter Herr!
Darf ich Sie höflichst ersuchen, mir Ihre endgiltige Entscheidung in der von uns besprochenen AngelegenheitDas Treffen dürfte am Freitag, den 22.5.1903 stattgefunden haben [vgl. hierzu und zum Folgenden: Wedekind an Albert Langen, 25.9.1903]. zukommen zu lassen. Mein Gesuch bezog sich auf Gewährung eines Darlehens von MarkM. 3000, von denen ich MarkM. 1000 meinem Wunsch entsprechend ausgezahlt erhalten habe und deren Rest von MarkM. 2000 ich Sie | bat, mir in Raten von MarkM. 500 in den nächsten vier Monaten auszahlen zu lassen. Sollte Ihnen die erbetene Summe zu hoch erscheinen, so würden Sie mich dadurch zu dem berechtigten Schluß veranlassen, daß ich Ihnen geschäftlich um vieles weniger wert bin als eine Reihe anderer in Ihrem Geschäfte betheiligter Personen, da Sie nach Ihrer eigenen Äußerung ein ganzes Vermögen in Vorschüssen ausstehen haben und ich auch sonst über die Höhe der von Ihnen gewährten Darlehen | unterrichtet zu sein glaube. Ich würde dann in diesem Falle das früher von mir geplante Werk „Hidalla“ wieder aufnehmenWedekinds Beschäftigung mit dem Stoff ist seit 1887/88 nachweisbar [vgl. KSA 6, S. 368]. und über dessen Verwerthung wie mir das kontractlich freisteht mit irgend einem anderen Verlag„Hidalla“ erschien im Mai 1904 bei J. Marchlewski & Co. in München [vgl. KSA 6, S. 368, 386]. oder auch Bühnenvertrieb abschließen.
Indem ich der schriftlichen Mittheilung Ihrer
geschätzten Entscheidung in dieser Sache entgegensehe zeichnet
hochachtungsvollst
Frank Wedekind.