Briefwechsel

Wedekind, Frank und Aub, Ludwig (Alexander Berg)

1 Korrespondenzstück

München, 4. August 1916 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Aub, Ludwig

[1. Hinweis in Regnier 2003, S. 142:]


Wedekind schickt einen Dankbrief, den Aub in seiner Werbebroschüre abdruckt.


[2. Zitat der Briefbeilage in einer Werbeanzeige, überliefert als Zeitungsausschnitt in Wedekinds Nachlass (Mü):]


LUDWIG AUB

Charakterologe.


Frank Wedekind schreibt:

Ludwig Aub ist ein Seelenforscher und Seelenkenner, für dessen Geist es keine Rätsel, keine ungelösten Probleme gibt. Für Ludwig Aub ist der Fremdeste ein guter Bekannter, er kennt seine Erlebnisse, seine Eltern, seine Kämpfe, die er mit der Welt zu bestehen hat, er durchschaut die Konflikte mit Angehörigen, Vorgesetzten und Untergebenen. Er überblickt die Gefahren, die daraus erwachsen können, ohne den Beurteilten noch von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben. Ludwig Aub hat deshalb die unschätzbare Gabe, wertvolle Ratschläge erteilen zu können, ohne sich Geheimnisse anvertrauen lassen zu müssen, weil es für ihn keine seelischen Geheimnisse gibt. Ob Ludwig Aub’s segensreicher Wirksamkeit eine Begabung zu Grunde liegt, die im Lehrgebäude heutiger Wissenschaft noch keinen Platz gefunden, wage ich nicht zu entscheiden. Ueberzeugt bin ich, daß seine staunenerregende Menschenkenntnis auf einer bei ihm ganz außergewöhnlich ausgebildeten Grundlage beruht, auf seiner unendlichen Menschenliebe.

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