Mein lieber Frank!
Du
wirst meine gestrige Kartevgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 30.11.1914. aus IchlSchreibversehen, satt: Ischl. erhalten haben. Nun bin ich nach Wien
gekommen und bemühe
mich irgendwo unterzukommen. Ich fragte schon bei H. Kraus an und erwarte seine Antwort: wo ich ihn
sprechen könne. Im Inst. Tschth. war es nicht mehr zum Aushalten. Zu dritt sind wir
davon. Warum es nicht mehr zum aushalten war, will ich Dir gern später
auseinandersetzen. Zurück gehe ich auf keinen Fall. Lieber noch verhungern! Ich
stehe ratlos hier in Wien. Wenn Du mir einen Rat zukommen könntest lassen, vielleicht eine Empfehlung an
irgendeinen Deiner so vielen | Bekannten, wäre ich Dir sehr, sehr dankbar. Bitte wolltest Du
mir vielleicht an H. S. WörnhartUnter der genannten Adresse verzeichnet das Wiener Adress-Buch: Josef Wörnhart, Rechnungsrat an der statistischen Zentralkommission [vgl. Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1914, Bd. 2, Teil VII, S. 1521]. Möglicherweise hatte Friedrich Strindberg Sepp Wörnhart im Jahr zuvor in Salzburg bei dessen Vortrag im Gartensaal der Sternbrauerei zu einer Sedanfeier des alldeutschen Wählervereins am 2.9.1913 oder beim Salzburger Turnverein am 12.9.1913 kennengelernt [vgl. Salzburger Volksblatt, Jg., 43, Nr. 196, 28.8.1913, S. 6 und Nr. 206, 10.9.1914, S. 8]. schreiben, Wien III. Ungargasse 25/52/, den ich hier getroffen habe und
der mir sicherlich Deine Antwort zukommen läßt. Nicht wahr, Du verläßt mich
jetzt nicht, es grüßt Dich herzlich
Dein
Fried.
Strindberg
Snr. Hwgb.
Herrn
Frank
Wedekind
München
Prinzregentenst. 50.