Mein lieber Frank!
Entschuldige also bitte meine unbescheidene BitteFriedrich Strindberg hatte in seinem letzten Brief, wie schon in der Korrespondenz zuvor, um ein Treffen mit Wedekind gebeten [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 24.6.1915]. an Dich
vor Erhalt Deiner lieben Kartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Friedrich Strindberg, 28.6.1915., für die ich Dir recht herzlichst Danke, ebenso
für Deine lieben Glückwünschezur erfolgreich bestandenen Schulabschlussprüfung nach der 10. Klasse an der Mittelschule [vgl. Friedrich Strindberg an Wedekind, 18.6.1915].. Reise nun am 2.am Montag, den 2.8.1915. nach Frohnleiten bei Graz zum
Regiment meines VormundsFriedrich Strindbergs Vormund Cäsar Ritter von Weyr war zuletzt Leutnant im Landwehr-Infanterieregiment Nr. 4 Klagenfurt und dort im Grenzschutzbataillon Nr. 6. Über eine Stationierung des Regiments in Frohnleiten ist nichts bekannt., H. Dr. Weyr. Bin allerdings schon etwas unschlüssig,
da ich von der großen „Gemeinsamkeit“ nur eine gesetzliche „Vergewaltigung“ der
Persönlichkeit erwarte. Doch es wird auch Gutes hoffentlich mit sich bringen!
Mir ist sehr leid, daß es Dir mit Deinem Befinden so sehr schlechtWedekind war nach seiner zweiten Blinddarmoperation am 15.4.1915 und einem siebenwöchigen Krankenhausaufenthalt am 9.6.1915 entlassen worden [vgl. Tb], nach wenigen Tagen aber dann auch zu Hause noch über Wochen bettlägerig. Am 16.8.1915 notierte er im Tagebuch: „Zum ersten Mal aufgestanden.“ geht.
Hoffentlich stellt uns auch meine Rückkehr aus dem Krieg wieder gesund zusammen. Freue mich schon sehr
darauf; denn auf etwas muß man sich | freuen.
Habe die letzten Tage fleißig zur Ruhe benützt; trotzdem
bin ich besorgt, ob ich mich den körperl. Anstrengungen gewachsen zeigen werde.
Noch meine herzlichsten Glückwünsche zu baldiger
Besserung u.
Vollendung des „BismarkSchreibversehen, statt: Bismarck. Wedekinds „Bismarck“-Drama erschien im Dezember 1915 bei Georg Müller in München (vordatiert auf 1916), nachdem es von April bis Dezember 1915 in der Zeitschrift „Der Neue Merkur“ vorabgedruckt worden war [vgl KSA 8, S. 679-692].“,
Dein treuer
Friedr.
Strindberg.
29.6.15.
S. H.
Herrn Frank Wedekind
München
Prinzregentenst. 50