Herrn
Frank Wedekind
Böhmen. Prag.
Hotel „blauer Stern“. |
Wenn abgereist, bitte nachsenden:
Dresden, Weber’s Hotel. |
Samstagder 5.3.1910., abends.
Mein einziger, geliebter Frank, ich setze mich an den
Schreibtisch um zu rechnen, oder Briefe zu beantworten – immer wieder schreibe
ich statt dessen Dir! Heute war ein schöner Vorfrühlings Tag, wir waren Vor-
und Nachmittag spazieren. Ich bin müde und sehne mich nach Dir, mein Geliebter!
Als Annapamela im Bett lag und wir uns Gutenacht sagten bat sie, „bitte
schreib’ dem Papa er soll morgen wiederkommen.“ Wann kommst Du Donnerstagder 10.3.1910. hier
an? Wir begegneten Herrn und Frau Stollberg, die mich baten Annapamela mitzubringen,
wenn ich sie wieder besuche. Wolltest Du nicht 3 Tage in Prag bleiben? Wann
kommst Du nach Dresden? Gleichzeitig sende ich den Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Großherzogliches Hof- und Nationaltheater Mannheim an Wedekind, 4.3.1910. Intendant des Großherzoglichen Hof- und Nationaltheaters in Mannheim war Carl Hagemann [vgl. Neuer Theater-Almanach 1910, S. 526], dem Wedekind am 21.8.1909 in München persönlich begegnet ist – „Intendant Hagemann aus Mannheim ist da“ [Tb] – und der einen Ruf an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg erhalten hat, wozu Wedekind ihm telegrafisch gratulierte [vgl. Wedekind an Carl Hagemann, 28.1.1910]. vom Großherzoglichen
Hoftheater in Mannheim. Bin sehr gespannt auf den Inhalt.
Innigst
Deine Tilly