Lieber verehrter Herr Harden!
Zu meinem außerordentlichen Bedauern ist es mir dieses MalMaximilian Harden hielt am 24.4.1915 um 20 Uhr in der Münchner Tonhalle einen Vortrag, wie angekündigt war: „Heute Samstag findet in der Tonhalle der zweite Kriegsvortrag ‚Wie steht’s?‘ von Maximilian Harden statt. Der Vortrag beginnt pünktlich 8 Uhr“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 208, 24.4.1915, General-Anzeiger, S. 1]; das letzte Mal hatte Wedekind ihn in München am 12.2.1915 gehört und verbrachte nach dem Vortrag mit ihm in kleinerer Runde den Rest des Abends bis in die Nacht [vgl. Tb].
nicht möglich, die Ausführung Ihrer Ansichten über unsere Lage mitanzuhören. Ich
hatte mich schon vierzehn Tage auf den Abend gefreut, da stellte sich die
Notwendigkeit einer NachoperationWedekind unterzog sich nach seiner ersten Blinddarmoperation (29.12.1914) am 15.4.1915 einer zweiten „Operation“ [Tb], was wohl am 10.4.1915 entschieden worden ist: „Professor Trump kommt und räth mir zur Nachoperation. Professor Schmidt untersucht mich im Josefinum.“ [Tb] Sein zweiter Klinikaufenthalt dauerte vom 14.4.1915 bis 9.6.1915. ein. Man munkelt, daß FriedeWedekind hoffte auf ein rasches Kriegsende und klammerte sich an jedes Friedensgerücht. werden soll. Der
Ge|danke ist mir eine große Wohltat. Für Ihren Aufenthalt in München wünsche
ich Ihnen recht viel Freude und bedaure nur, daß ich nicht daran teilhaben
kann. Mit herzlichsten Grüßen
In Verehrung
Ihr Fr Wedekind.
Königreich Bayern
Postkarte
S.
H.
Herrn
Maximilian Harden
München
Hotel Kontinental